Rebsorten in der Pfalz

Die Pfalz ist das größte geschlossene Weinanbaugebiet Deutschlands. Es sind 45 weiße und 22 rote Rebsorten zugelassen. Dazu gehören regionale Spezialitäten wie St. Laurent oder Muskateller, internationale Modesorten wie Chardonnay und Merlot oder Neuzüchtungen wie Regent.
Sie alle sorgen mit ihrem Aromenspiel für eine Fülle von Geschmacks-Erlebnissen. Die Genuss- Landschaft Pfalz bietet für jeden etwas - und zeigt sich dennoch bestens sortiert. Denn eine Handvoll Standard-Rebsorten nimmt fast zwei Drittel der Pfälzer Rebfläche ein. An der Spitze steht der Riesling. Er ist unbestritten die Nummer eins im Pfälzer Rebengarten. Daneben gehören vor allem Müller-Thurgau/Rivaner, Kerner und Silvaner zum Pfälzer Weinschmecker-Repertoire. Weiß- und Grauburgunder gewinnen jährlich an Bedeutung.
Mehr als ein Drittel der Rebstöcke in der Pfalz trägt rote Trauben, wie etwa Portugieser, Dornfelder und Spätburgunder. Dennoch verbleiben genug Nischen für Spezialitäten. So stehen die zwölf wesentlichen Pfälzer Rebsorten, die nachfolgend porträtiert sind, stellvertretend für viele andere. Sie alle laden ein zu einer Entdeckungsreise in die Weinkeller und Weinberge der Pfalz.

 

Riesling

Ein Herzensbrecher mit fruchtigem Zitrusaroma, Rasse und markanter Säure - und außerdem ein Tausendsassa, der häufig ran muss, wenn aus Wein Sekt werden soll und der sich zudem bestens für Eisweine und Auslesen eignet. In der Pfalz präsentiert sich der Riesling - was die Säure angeht - meist zurückhaltend. Aber ein "König der Weißweine" muss nun wahrlich nicht protzen: Denn erstens hat er an der Mittelhaardt in Orten wie Deidesheim, Forst und Wachenheim schon seit Jahrhunderten eine seiner deutschen Hochburgen; und zweitens hat er die Pfalz in den letzten Jahren im Sturm erobert. Seit 1995 regiert die kostbarste deutsche Weißweinsorte in der Rebflächen-Statistik (22,5 Prozent) und beschert den Weinliebhabern Fürstliche Geschmackserlebnisse und der Pfalz jede Menge Auszeichnungen.

Müller-Thurgau/Rivaner

Er gehört zu den Stillen im Lande, die nicht viel Aufhebens von ihren Qualitäten machen. Ein grundsolider Typ eben, mit Eltern, die sich sehen lassen können (Riesling und Madeleine Royale, eine Tafeltraubensorte) und einem ebensolchen Züchter-Vater und Namensgeber (Professor Müller aus dem Thurgau in der Schweiz). In der Pfalz nach dem Riesling die zweithäufigste Sorte, deren trocken- moderne Variante unter dem Namen Rivaner immer mehr Freunde findet. Kein Wunder, denn der Müller-Thurgau respektive Rivaner kann mit zarten Muskat- und Walnusstönen betören und passt mit seiner milden Säure bestens zu leichten Speisen wie Fisch. Als frühreifes Früchtchen sollte er aber von seinen Verehrern (oder Verehrerinnen) jung getrunken werden.

Kerner

Ein junger, selbstbewusster Aufsteiger aus dem Hause Riesling (Kreuzung Blauer Trollinger und weißer Riesling), der in Geschmack und Säure viel vom Vater hat. Mit seiner frischen, gehaltvoll-würzigen Art hat er die Herzen der Weinliebhaber im Sturm erobert und wächst in der Pfalz auf etwa 5 Prozent der Weinbergsfläche. Bei vielen Vorspeisen oder auch weißem Fleisch gewinnt der Kerner als dezenter Begleiter die Sympathien der Genießer. So hätte der nette Kerl von nebenan, der am liebsten bescheiden im Hintergrund bleibt, auch Justinus Kerner, dem 1862 gestorbenen Dichter und Arzt aus Weinsberg, gefallen.

 

Silvaner

Der Mann aus dem Osten gab noch vor einigen Jahrzehnten den Ton an im multikulturellen Rebengarten der Pfalz. Das hat sich geändert, doch allseits beliebt ist der süffige Silvaner noch immer (fast 4 Prozent der Rebfläche). Auf jeden Fall wird kaum mehr ein Wort über seine ungewöhnliche Herkunft verloren. Dabei soll die Wildrebe aus Kaukasien stammen, manche munkeln sogar etwas von einer Herkunft aus Transsylvanien (dort, wo angeblich auch die Vampire zu Hause sind!). Aber keine Angst: Wer bei dem zurückhaltend-neutralen Typ mit seiner milden Säure anbeißt, muss es nicht bereuen - und wird bei vielen leichten Speisen begeistert mit der Zunge schnalzen.

Scheurebe

Da hat man es im Reben-Leben natürlich leicht: Mutter Silvaner, Vater Riesling, und schon stehen dem Nachfahren die Rebflächen offen. Knapp 2 Prozent sind es mittlerweile in der Pfalz, doch jetzt hat die Nachkriegs-Karriere erst einmal einen Knick. Dabei war Züchter Georg Scheu voll des Lobes über seine Entdeckung und schwärmte vom verstärkten Riesling-Bukett und dem Körperreichtum. Egal, ob als trocken ausgebauter Wein (etwa zu weißem Fleisch) oder als Auslese, Beerenauslese oder Eiswein, die Scheurebe betört Gaumen und Nase: etwa mit Pfirsicharomen, mit Rosenduft oder dem Bukett von schwarzen Johannisbeeren. Nachzuschmecken beispielsweise in der Pfalz.

 

Morio-Muskat

Der einzige waschechte Pfälzer im Dutzendspektrum ist irgendwie aus der Art geschlagen: Denn der würzige Muskatton der Sorte - sie wurde in den zwanziger Jahren von Peter Mono an der Lehr- und Forschungsanstalt in Neustadt gekreuzt und auf dem Geilweilerhof bei Siebeldingen vermehrt - ist keinen der vermuteten Eltern (Silvaner und Weißer Burgunder) eigen. Der Karriere des Kindes (immerhin fast 1,5 Prozent Rebfläche) als typischer Bukett-Wein mit aromatischen Spätlesen, als Schoppenwein oder Begleiter von kräftigen Speisen, hat das nicht geschadet. Höchstens der Muskateller könnte neidisch werden: Aber der Beweis für eine mögliche Verwandtschaft zwischen diesem Klassiker und Morios Zögling steht noch aus ...

Weißer Burgunder

Noch so ein bescheidener "Hans - Dampf - in - allen - Gassen" im pfälzischen Reben-Revier, der zu fast allen Gerichten (bevorzugt Fisch und weißem Fleisch) eine gute Figur macht und nebenbei noch bestens als Sekt-Grundwein taugt. Aber als Stammvater einer klassischen Weinfamilie hat man natürlich viele gute Verbindungen und als "pinot blanc" auch international einen vorzüglichen Ruf. Einziger Wermutstropfen für Pfälzer Weißburgunder-Freunde: Mit 3,5 Prozent der Rebfläche ist der Weißburgunder- Anteil zwischen Bockenheim und Schweigen nicht allzu hoch. Doch der Weißburgunder ist im Kommen, und die Qualität besticht: Die Pfälzer Gewächse schneiden bei Wettbewerben hervorragend ab.

 

Grauer Burgunder oder Ruländer

Dem Namen nach ein Pfälzer Bub, ansonsten einer aus der glorreichen Familie der Burgunder und - leider eine gespaltene Persönlichkeit. 1711 fand der Apotheker Johann Seeger Ruland die verwilderte Sorte, doch daran erinnern heute nur noch die lieblich ausgebauten "Pinot gris"-Weine. Sie heißen Ruländer, die trocken ausgebaute Variante kommt unter Grauburgunder daher. Wer aus so schwierigen Verhältnissen stammt, muss Charakter entwickeln: Das gilt für die gehaltvollen, edelsüßen Typen, die als Aperitif oder Dessertwein eine exzellente Figur machen, ebenso wie für die trocken-eleganten Spielarten, die beispielsweise zum Braten passen. So ist er, der Grauburgunder: Ein Verwandlungskünstler mit milder Säure und einer kleinen, aber treuen Fan-Gemeinde in der Pfalz (mehr als 4 Prozent der Rebfläche).

Gewürztraminer

Ein alter und weit gereister Fahrensmann wie er könnte prahlen mit seinen Erfolgen und Kontakten: Wer kann schon Plinius als Kronzeugen benennen oder die Kurfürsten der Pfalz. Wer kann schon darauf verweisen, dass seinesgleichen sich im ältesten Weinberg der Pfalz, dem Traminer - Weinberg in Rhodt unter der Rietburg, findet? Soviel Tradition verpflichtet: Und deshalb zeigt der Gewürztraminer mit seiner kraftvollen Würze und seinem Bukettreichtum nicht nur als edelsüßer Aperitif oder Dessertwein Charakter, sondern macht, trocken ausgebaut, auch manchen Braten zum Geschmackserlebnis. Auf den Beifall der Massen hat er nie Wert gelegt. 1,5 Prozent der pfälzischen Rebfläche sind für einen solchen Vertreter von altem Adel genug, eben einfach "standesgemäß".

Portugieser

Mit einem süffig-leichten Lebemann wie ihm machen die pfälzischen Weinfeste erst richtig Spaß: Man bestelle einen Portugieser Weißherbst und genieße. Seinen festen Platz unter den roten Sorten mit fast 10,8 Prozent hat sich der Portugieser, der 1860 in die Pfalz kam, vor allem deshalb gesichert, weil besonders junge Leute seine unkomplizierte Art (neutraler Geschmack, milde Säure, dezentes Bukett) lieben. Doch man sollte den Zuwanderer aus dem Osten, der mit Portugal gar nichts zu tun hat, nicht unterschätzen. Denn es gibt immer wieder gehaltvolle Portugieser Rotweine, die mit leichtem Burgunder-Ton beispielsweise ein Wildgericht veredeln.

Dornfelder

Wenn das keine Erfolgsgeschichte ist: Da kommt ein südländischer Beau Jahrgang 1956 von tiefroter Gesichtsfarbe daher und schon liegt ihm die Weinwelt zu. Füßen. So geschehen seit Anfang der neunziger Jahre in der Pfalz. Die Eltern (Helfensteiner und Heroldrebe) spielen keine Rolle auf dem Weinmarkt, dafür macht der Jüngling, eigentlich als Deckrotwein gedacht, plötzlich eigenständig Karriere; präsentiert sich, trocken ausgebaut, als samtiger, gehaltvoller und markanter Rotwein, der bestens zu Braten und aromatischem Käse passt; schmückt sich, wenn es sein muss, mit Barrique-Tönen. Fast 14 Prozent der Rebfläche sind inzwischen mit Dornfelder bestockt, Er ist somit die meist angebaute rote Rebsorte der Pfalz. Bleibt nur zu hoffen, dass dem jugendlichen Himmelsstürmer das Glück treu bleibt.

Spätburgunder

Das ist, verglichen mit den beiden jungen Kollegen der Rotwein-Fraktion, der Grandseigneur der pfälzischen Rotweine, mit erstklassigen Empfehlungen, Jahrhunderten an Erfahrung und aus bestem Burgunder-Haus. Einer wie er sucht nicht den schnellen Erfolg, sondern überzeugt mit wachsender Fassreife. Dann wird der Wein weicher, die Fruchtaromen wie etwa Brombeere entfalten sich und der Barrique-Ausbau sorgt noch für zusätzliche Geschmacksfinessen. Würzige Braten oder Wildgerichte lassen sich so veredeln. Rund 7 Prozent Spätburgunder in der Pfalz sind natürlich nicht viel. Aber es werden immer mehr und die Fachwelt staunt: Bei Verkostungen deutscher Rotweine liegen Pfälzer Spätburgunder regelmäßig vorne, die seit 2003 auch als Pinot noir bezeichnet werden dürfen.

Fotos: DWl Mainz (Rebsorten)  Text: Dr. D. Janik

Tafelreben aus Wachenheim

"Hofreben Zieger", ein Wachenheimer Unternehmen, befasst sich mit der Vermehrung von Tafeltrauben-Reben und der Veredelung zum Erhalt alter und neuer Tafeltraubensorten.

Ziel des Unternehmens ist es, interessante und widerstandsfähige Sorten zu finden und zu vermehren, auch mit Blick auf ungünstigere Standorte.

Derzeit im Angebot hat Zieger die kernlose Sorte Lakemont (zur Begrünung von Terrassen, Hauswänden, Pergolen); Georg, als Ergänzung zu dem bereits bestehenden blauen Tafeltrauben-Sortiment gedacht und für fast alle Standorte geeignet; Katharina, eine formschöne, fruchtig süße Traube mit sehr guten Vermarktungsmöglichkeiten.

Weitere Informationen unter Tel. 06322-948693 oder Email info@hofreben-zieger.de.